Warum wir immer wieder dieselben Fehler in der Liebe machen
- Jürgen Sturm
- 16. Mai
- 4 Min. Lesezeit
Warum wir immer wieder dieselben Fehler in der Liebe machen
Lesedauer: ca. 12–14 Minuten · Für dich zum Lesen, Hören oder einfach Dasein
Hallo, schön, dass du da bist.
Ich möchte dich heute auf eine Reise mitnehmen. Keine leichte. Aber eine, die sich lohnt.
Eine, die vielleicht etwas aufdeckt. Etwas, das du schon lange weißt — und noch nicht ganz anschauen wolltest.
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Sie hatte es sich geschworen.
Nie wieder jemanden, der sich so wenig zeigt. Nie wieder diese Stille, wenn sie eigentlich Nähe braucht. Nie wieder dieses Gefühl — zu viel zu sein. Zu viel zu wollen.
Drei Jahre später sitzt sie mir gegenüber.
Anderer Mensch. Dasselbe Muster. Derselbe Schmerz.
Und sie schaut mich an und fragt: Warum passiert mir das immer wieder?
Ich kenne diese Frage. Ich höre sie oft. Von Menschen, die wirklich bereit sind. Die alles gegeben haben. Die es diesmal anders machen wollten.
Und die trotzdem wieder hier sitzen.
Beziehungsmuster sind nicht deine Schuld. Aber sie sind deine Verantwortung. Das ist ein Unterschied — und er ist wichtig.
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Bevor wir tiefer gehen, möchte ich dich einladen, kurz innezuhalten.
Leg eine Hand auf deine Brust. Spür, ob du sie fühlst.
Einatmen — zwei, drei, vier.Halten — zwei.Ausatmen — zwei, drei, vier, fünf, sechs.Noch einmal gemeinsam.Einatmen — zwei, drei, vier.Ausatmen — zwei, drei, vier, fünf, sechs.Gut.
Du bist hier. Das reicht.
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Was wir für Zufall halten — und was es wirklich ist
Die meisten Menschen glauben, sie suchen den richtigen Menschen.
Jemanden, der passt. Der versteht. Der nicht so ist wie der letzte.
Was wir wirklich suchen — fast immer, fast alle — ist etwas anderes.
Wir suchen Vertrautheit. Nicht Glück. Vertrautheit.
Das klingt unromantisch. Aber es ist die Wahrheit, die alles erklärt.
Unser Nervensystem hat früh gelernt, wie sich Nähe anfühlt. Wie sich Liebe anfühlt. Wie sich ein Mensch anfühlt, der wichtig ist. Und dieses Gefühl — egal ob es damals warm war oder schmerzhaft — hat sich tief eingegraben. Wie eine Melodie, die wir irgendwann auswendig können, ohne es gemerkt zu haben.
Die Bindungsforschung nennt das unseren Bindungsstil. Er entsteht in den ersten Lebensjahren. Und er formt, wen wir anziehend finden. Wen wir als Gefahr wahrnehmen. Was wir als Liebe erkennen.
Er ist nicht unveränderlich. Aber er ist mächtig.
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Die drei Muster — erkennst du dich?
Es gibt drei grundlegende Wege, wie wir gelernt haben, mit Nähe umzugehen.
Der sichere Bindungsstil. Wer als Kind erlebt hat: Ich werde gesehen. Ich werde gehalten. Ich darf Bedürfnisse haben. Der trägt eine innere Ruhe in Beziehungen. Er kann Nähe zulassen — und Abstand aushalten, ohne darin eine Bedrohung zu sehen.
Der ängstlich-ambivalente Stil. Hier war Liebe unberechenbar. Mal da, mal nicht. Das Kind lernt: Ich muss kämpfen für Zuwendung. Ich muss aufpassen. Als Erwachsener entsteht daraus Eifersucht, ein Klammern — oder das ständige Interpretieren, was der andere wohl gemeint hat. Nicht aus Schwäche. Sondern aus einem Nervensystem, das nie wirklich sicher sein durfte.
Der vermeidende Stil. Hier war Nähe zu viel. Oder gar nicht erwünscht. Das Kind lernt: Ich komme allein zurecht. Als Erwachsener schützt sich diese Person durch Distanz — und leidet trotzdem. Still. Oft ohne es zu zeigen.
Das Erschreckende und das Befreiende zugleich: Diese Muster suchen sich. Ein ängstlicher Typ und ein vermeidender — sie finden sich mit erstaunlicher Präzision. Die Anziehung ist sofort da. Es fühlt sich richtig an. Vertraut.
Und das Muster beginnt sich zu wiederholen.
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Der Moment, in dem alles kippt
Irgendwann in jeder Beziehung kommt er. Der Moment, in dem das Muster sichtbar wird.
Sie zieht sich zurück. Er folgt. Sie fühlt sich eingeengt. Er fühlt sich abgelehnt. Keiner will den anderen verletzen. Beide tun es trotzdem.
Das ist der Moment, in dem viele aufgeben.
Oder — und das ist entscheidend — in dem etwas Neues beginnen kann.
In meiner Arbeit als Therapeutin nenne ich diesen Punkt den Schlüsselmoment. Den Moment, in dem zwei Menschen aufhören, den anderen als Problem zu sehen. Und anfangen zu fragen: Was löst das in mir aus? Was brauche ich wirklich — hinter dem, was ich gerade sage?
Das ist keine leichte Frage. Aber sie ist die richtige.
Und sie ist der Beginn von echter Veränderung.
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Ich möchte dich hier kurz holen. Genau jetzt.
Stell dir einen Menschen vor, dem du dich wirklich zeigen möchtest. Oder den Moment, in dem du endlich aufhörst, dich zu schützen.
Einatmen — zwei, drei, vier.Spür, wie du dir selbst Raum gibst.Ausatmen — zwei, drei, vier, fünf, sechs.Lass los, was du schon lange festhältst.Noch einmal gemeinsam.Einatmen — zwei, drei, vier.Ausatmen — zwei, drei, vier, fünf, sechs.Manchmal ist Erkenntnis körperlich. Sie braucht Atem.
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Was sich wirklich verändern kann
Hier ist die Wahrheit, die ich nach vielen Jahren in der therapeutischen Arbeit sagen kann:
Muster verändern sich nicht durch Willenskraft. Nicht durch gute Vorsätze. Nicht durch mehr Kommunikation allein.
Sie verändern sich durch Bewusstsein. Und durch neue Erfahrungen, die dem Nervensystem zeigen: Es ist anders möglich.
Das bedeutet: Du musst deine Vergangenheit nicht auflösen. Du musst sie verstehen. Du musst lernen, was dein Nervensystem als Gefahr liest — und was wirklich gefährlich ist.
In der Einzeltherapie schaust du dir dein eigenes Muster an. Ohne den anderen im Raum. Du lernst dich kennen — deine Auslöser, deine Bedürfnisse, deine Strategien. Und du lernst, sie zu verändern. Nicht weil du falsch bist. Sondern weil du mehr willst als das, was du bisher hattest.
In der Paartherapie macht ihr das gemeinsam. Ihr lernt, eure Muster zu benennen, bevor sie euch überwältigen. Ihr entwickelt eine Sprache füreinander, die nicht verletzt — sondern öffnet.
Beides ist möglich. Beides verändert etwas. Beides braucht Mut.
Und du bist bereits mutig — allein dadurch, dass du zugehört hast.
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Bevor du gehst
Welche These aus diesem Text hat dich am meisten berührt? Schreib es in die Kommentare. Nicht für mich. Für dich. Manchmal verändert das Aussprechen schon etwas.
Und wenn du jemanden kennst, dem dieser Text helfen könnte — teil ihn. Ein Like zeigt mir: Du bist dabei. Du willst mehr davon. Werde Teil dieser Gemeinschaft, die aufhört, Schmerz zu wiederholen — und anfängt, ihn zu verstehen.
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Du musst dein Muster nicht heute auflösen. Du musst es nur ein bisschen besser verstehen als gestern. Das ist genug. Das ist mehr als genug.
Danke, dass du dir diese Zeit genommen hast — zum Lesen, Hören oder einfach zum Dasein. Bis zum nächsten Montag.










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